Captain America 2: The Return of the First Avenger - Kritik

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Captain America hat in Deutschland keinen sehr guten Stand. Obwohl die Figur sich seit der Kriegspropaganda des zweiten Weltkriegs gehörig weiterentwickelt hat, betrachten viele die Uniform der wandelnden US-Flagge als „to much“. Deswegen wurde Teil 1 der Marvel Cinematic Universe (MCU)-Verfilmung „Captain America: The First Avenger“ an den inländischen Kinokassen auch eher links liegen gelassen. Hinzu kam natürlich noch, dass der Film von Joe Johnston schlicht mittelmäßig war, auch wenn er dennoch mit einem trashigen Charme aufwarten konnte.

Teil 2 der Captain America-Verfilmungen macht im direkten Vergleich sehr vieles sehr viel besser. Das geht so weit, dass „The Return of the First Avenger“ nicht nur die Gegebenheiten innerhalb des MCU gehörig über den Haufen wirft und die Karten neu verteilt, sondern auch den Thron für sich beansprucht, was den Titel „Beste Verfilmung der Reihe“ betrifft. Und das schafft der Film obwohl oder gerade, weil er sich von der üblichen Marvel-Formel (1/3 Comedy, 1/3 Spannung, 1/3 Charakterzeichnung) entfernt und erstaunlich ernst daher kommt.

Die Regisseure Anthony und Joe Russo liefern erstklassiges Spannungskino, das an die Spionage-Thriller der 1970iger oder 80iger Jahre erinnert. Als Reminiszenz auf Filme wie „Die drei Tage des Condor“ macht die Besetzung von Robert Redford als zwielichtiges Mitglied des Sicherheitsrates durchaus Sinn. Es ist einerseits eine Hommage und andererseits eine Demontage, da die Rollen stark verkehrt werden. Die Verschwörung in die Steve Rogers verstrickt wird, ist derart komplex, dass die Handlung vor Wendungen nur so strotzt und man am Ende sogar an der Loyalität von etablierten Figuren des MCU zweifelt. Der Spannung förderlich sind auch die atemberaubenden Actionszenen, die vor Originalität und Intensität gerade zu bersten. Der Captain prügelt sich da schon mal mit einem Dutzend Angreifer in einem sehr beengten Fahrstuhl oder nimmt reihenweise Schergen eines algerischen Terroristen auseinander. Den Russo-Brüdern gelingt es unglaublich intensiv darzustellen, wie so ein Supersoldat austeilen kann.

Das neben der Action und der Spannung auch noch gefühlvolle Momente vorkommen, ist eine weitere Stärke des sehr guten Drehbuchs. Steve wirkt wie ein aus der Zeit Gefallener, der nun mit allen Mitteln versucht Popkultur und Geschichte nach zu holen, die er verpasst hat, als er 70 Jahre als Eisklumpen verbrachte. Hilfreich zur Seite steht ihm dabei Black Widow, die ihm ständig ein Date unterjubeln will. Scarlett Johnasson gelingt es, wie schon in den vorherigen Auftritten von Natasha Romanoff, sie so darzustellen, dass man ständig Zweifel an ihrer Loyalität hat. Man kann sich gut vorstellen, dass die toughe, russische Spionin dem Captain ohne zu zögern ein Messer in den Rücken rammen würde, wenn es ihrer Weltanschauung entspräche. Diese Skrupellosigkeit macht die Figur so spannend, auch da häufiger mal eine gewisse Verletzlichkeit durchschimmert. Auch Anthony Mackie überzeugt als der Neuzugang Falcon und bringt noch das interessante Thema der Veteranen ein. Wirklich ausgeschöpft wird dieser Handlungszweig aber nicht. Mackie ist überwiegend für die kleinen humorigen Einlagen zuständig, die aber im Vergleich zu den anderen Filmen der Reihe eher subtil ausfallen. Wer nun übrigens erwartet hat, dass der Winter Soldier (da der US-Titel des Films seinen Namen trägt) eine größere Rolle spielt, wird vermutlich enttäuscht. Er dient überwiegend als körperliche Gefahr für den Captain und bringt zusätzlich noch etwas Emotionalität unter. Die Figur ist aber durchaus ausbaubar und hätte etwas mehr Leinwandzeit verdient. Sebastian Stan überzeugt aber zumindest körperlich und haut gehörig auf die Kacke.

Wie man es von den MCU-Filmen bereits gewohnt ist, gibt es zahlreiche Querverweise auf andere Filmfiguren wie Iron-Man, Hulk und sogar auf eine Figur, die noch gar nicht aufgetaucht ist. Dies dürfte aber wohl der unmissverständliche Hinweis darauf sein, dass wenigstens einer der Phase 3-Filme einen vollkommen neuen Charakter einführt. Die Gerüchteküche war ja bereits enorm am brodeln.

Abschließend soll auch noch der Ton, die visuellen Effekte und die Kamera-Arbeit gelobt werden. Alles wirkt wie aus einem Guss und fügt sich sehr homogen zusammen. Die Musik unterstreicht mal spannend und treibend, mal ruhig und emotional jede Szene sehr gut und drängt sich nie in den Vordergrund. Visueller Bombast (allerdings mit sehr ausgiebiger Füllung durch die Geschichte) wird allein durch all die SHIELD-Spielsachen die im Film auftauchen geliefert. Bei der Kameraführung gefällt vor allem, dass man kaum die Wackelkamera einsetzt und trotzdem eine sehr schöne Unmittelbarkeit (besonders in den Actionszenen) bietet.

Fazit: Captain America 2: The Return of the First Avenger reiht sich nahtlos in die Reihe sehr guter Comic-Verfilmungen wie „The Dark Knight“ oder „Watchmen“ ein. Durch die Thematisierung von totaler Überwachung bekommt der Film eine tiefere politische Note, die auch zum Nachdenken über die Präventiv-Mentalität der heutigen Regierungen anregt. Unbedingt ansehen!

Anmerkung: Da in meiner Vorstellung wirklich alle aus dem Saal gingen, als der Abspann los lief, hier noch einmal der Hinweis unbedingt sitzen zu bleiben! Es gibt zwei Szenen (eine mittig im Abspann und eine am Ende) welche die Brücke zu zukünftigen Filmen schlagen.