Wolverine: Weg des Kriegers - Filmkritik

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Logan (Hugh Jackman) hat sich in die Berge zurückgezogen und fristet nach Jean Greys (Famke Janssen) Tod ein Dasein als Eremit. Der Gewalt hat er abgeschworen. Als ein Wilderer einen Bären mit einem Giftpfeil wild macht, worauf dieser fünf Menschen tötet, platzt Logan jedoch der Kragen und er ist kurz davor den Wolverine hervor kommen zu lassen. Die Japanerin Yukio (Rila Fukushima) hält ihn jedoch davon ab und unterbreitet ihm das Angebot ihres Herren Yashida (Hal Yamanouchi): Der reiche Industrielle will Logan die Sterblichkeit schenken und ihn vom Fluch seiner Regenerationskräfte befreien. Doch es scheint mehr hinter allem zu stecken, denn auch Yashidas Sohn Shingen (Hiroyuki Sanada) kocht sein eigenes Süppchen. Der einzige Lichtblick in diesen Ranken aus Intrigen ist Shingens Tochter Mariko (Tao Okamoto).

 

Hugh Jackman scheint in Wolverine die Figur seines Lebens gefunden zu haben. Bereits zum sechsten Mal schlüpft er in die Rolle des animalischen Mutanten. Nicht einmal Robert Downey Jr. schaffte so viele Auftritte als Tony Stark alias Iron-Man (bisher tauchte er fünf Mal auf). Ein Ende ist dabei nicht in Sicht, denn Jackman hat bereits die Fortsetzung "X-Men: Days of Future Past" abgedreht.

 

Vor Drehbeginn (damals noch zusammen mit Regisseur Darran Aronofsky der aus persönlichen Gründen ausstieg) äußerte Jackman, dass er eine brutalere, dunklere Seite Wolverines zeigen wolle. Ein durchaus verständlicher Wunsch, denn in vielen Comic-Inkarnationen war Logan mehr Tier als Mensch und getrieben von seinen Instinkten. Davon abgesehen sind Krallen wie die des biestigen Vielfraß gerade zu dazu prädestiniert Blut zu vergießen. In der ersten X-Men Trilogie war davon nichts zu sehen – die Klingen waren selbst nach heftigen Kämpfen stets blitzblank und sauber. In "Wolverine – Weg des Kriegers" wurde dies nun geändert, wenn auch nicht exzessiv. Die schlimmsten Verletzungen bekommt nach wie vor Logan ab.

 

So verletzlich wie in "Wolverine – Weg des Kriegers" hat man den sonst so selbstsicheren Mutanten noch nie gesehen. Er hat immer noch am Tod seiner großen Liebe Jean zu knabbern, die durch seine Hand gestorben ist. Sie erscheint ihn als geistiges Trugbild und dient damit als Gesprächspartner seiner inneren Monologe. Eine Idee die sehr ansprechend umgesetzt wurde, aber keine neuen Facetten zur Figur beiträgt. Schön ist es dennoch, dass Famke Janssen erneut die Rolle übernommen hat. Die Verletzlichkeit geht aber noch weiter, denn Logan verliert im ersten Drittel des Films seine Kräfte, ein Umstand der ihn verwirrt. Sein bisheriger Kampfstil funktioniert nicht mehr (mit dem Kopf durch die Wand und dabei jede Kugel und Klinge mitnehmen, die ihm entgegen geworfen wird), weswegen er zahlreiche üble Blessuren davon trägt. Im Kontrast zur Schuld, die er durch die Tötung seiner großen Liebe empfindet, entsteht dadurch eine feine, weitere Ebene in der Erzählung, die das ganze visualisiert.

 

Die animalische Seite Logans wird auch in diesem Film wieder stark vernachlässigt. Die meiste Zeit wirkt der Kanadier gefasst, wenn auch auf eine sehr ruppige Art und Weise. Grimmiger als bisher fällt die Darstellung dennoch aus, denn der Bodycount des Films ist nicht gerade niedrig. So schnetzelt sich Wolverine über Friedhöfe, fahrende S-Bahn-Wagons und durch verschneite Bergdörfer und schlitzt dabei zahllose Yakuza und Ninja auf. Diese Kampfszenen gegen Scharen von Schergen sind leider sehr repetitiv (abgesehen von der Szene im Bergdorf, die visuell sehr stark ausfällt) und führen nach einer Weile zu einer gewissen Übersättigung. Ohne zu spoilern kann man jedoch sagen, dass der Endkampf dann doch nochmal die Kurve kriegt und einen gewaltigen Schlagabtausch bietet, der Wolverine einiges abverlangt.

 

Jenseits von Gewalt und Kämpfen bietet der Film außerdem einige Twists, die aber sehr offensichtlich ausfallen und durch ein erfahrenes Publikum rasch entlarvt werden. Es ist jedoch erfrischend zu sehen, wie ein Rüpel wie Logan in einem Land der Traditionen aneckt. Dieser Kulturschock bietet auch den einzigen Lacher des Films, der hier natürlich nicht verraten wird. Es hat mit einem Bad und rabiaten Bediensteten zu tun. Ansonsten nimmt sich der Film über weite Strecken sehr ernst, was aber zur grundlegenden Stimmung passt und somit nicht negativ aufgefasst werden sollte.

 

Die Schauspieler, allen voran Hugh Jackman, bieten gute Leistungen und überzeugen in ihren Rollen. Die offensichtliche Antagonistin Viper (Svetlana Khodchenkova) strahlt eine undurchsichtige Gefährlichkeit aus, auch wenn sie später in ein etwas albernes, grünes Kostüm gesteckt wird. Auch die dritte Mutantin (mehr gibt es nicht, mal abgesehen von Jean) Yukio weiß zu gefallen. Sie dient anfangs als MacGuffin, entwickelt sich bald aber zu einer Art Sidekick für Wolverine. Ihre Wehrhaftigkeit darf sie dabei auch einige Male unter Beweis stellen. Mariko Darstellerin Tao Okamoto legt ihre Figur ein wenig unnahbar an, schafft aber eine gute Chemie zwischen sich und Jackman, wodurch die kleine Romanze der beiden glaubhaft bleibt. Der Darsteller Shingens Hiroyuki Sanada scheint dagegen seine Figur aus The Last Samurai wieder aufleben zu lassen, nur eine Spur ehrloser und finsterer.

 

Marco Beltramis Soundtrack bleibt den Film über stark im Hintergrund, unterstreicht die Szenen aber sehr zufriedenstellend. Richtige Ohrwürmer, wie zum Beispiel den Score zu X-Men 2 darf man aber nicht erwarten. Die japanischen Einflüsse hört man heraus, wodurch die Szenerie auch durch die Musik ansprechend unterfüttert wird.

 

Fazit:

"Wolverine – Weg des Kriegers" ist beileibe kein Meisterwerk, aber sehr gutes Unterhaltungskino mit einigen Makeln. Fans der Comicvorlage könnten durch diverse Änderungen an den Charakteren enttäuscht sein, aber diese Gefahr besteht bei so gut wie allen Filmen, die auf Comics beruhen. An die Qualitäten eines "X-Men: Erste Entscheidung" reicht es leider nicht heran, aber wenigstens ist endlich der unterirdische "X-Men Origins: Wolverine" vergessen.

 

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